Auferstehungskirche
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Geschichte der Auferstehungskirche
Die erste, indirekte Erwähnung einer Kirche im Dorf Plauen (heute Dresden-Plauen) findet sich in zwei Urkunden von 1296 und 1299. Dort wird ein "dominus Petrus plebanus in Plawan" genannt. Ein Pleban (Leutpriester) ist vergleichbar mit dem Pfarrer in nachreformatorischer Zeit, der zum Vollzug der Messe mindestens einen geschützten Raum für den Altar haben musste. Da das Dorf Plauen bereits 1206 in einer Urkunde erwähnt wird, existierte eine Kirche vermutlich schon vor dem Ende des 13. Jahrhunderts.
Während der Hussitenkriege ist die Kirche 1429 wahrscheinlich zerstört oder stark beschädigt worden. Deshalb entstand 1466/1467 ein Neu- und Erweiterungsbau, den der Bischof von Meißen am 17. März 1467 "zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ... sowie des heiligen Bischofs Nikolaus und der heiligen Jungfrau Barbara" weihte. Auch wenn die Weihe hauptsächlich auf den Erzengel Michael vollzogen wurde, hieß die Kirche - wie in Dörfern üblich - immer nur Kirche von (oder zu) Plauen. Von diesem Kirchbau sind das spätgotische Portal an der Westseite der Kirche, ein Sakramentshäuschen (heute im nördlichen Vorraum eingemauert) und Gewölbeschlusssteine (heute in der Kirche ausgestellt) erhalten.
Die Kirche wurde nach 1610 und 1700/1701 grundlegend umgebaut. Der Turm blieb bei allen Umbauten - auch 1900/1902 - immer an der gleichen Stelle und ist sowie der älteste erhaltene Teil der Kirche. Der Taufstein, das Kruzifix über dem Lesepult und der Altar sind Zeugnisse der Bauetappen des 17. und 18. Jahrhunderts, die heute noch vorhanden und in Verwendung sind.
Eine umfassende Innenrenovierung erfolgte 1878, vor allem um Platz für die wachsende Zahl von Einwohnern Plauens zu gewinnen. Dabei wurde u.a. eine neue Orgel, gestiftet vom Hofmühlenbesitzer Bienert, und eine neue Kanzel eingebaut. Da sich die Kirche nach kurzer Zeit wieder als zu klein erwies, begann 1900 ein großer Erweiterungsbau unter Leitung der Architekten Lossow und Vieweger. Die alte Dorfkirche erhielt im Osten ein Querschiff und einen großen Altarraum. Äußerlich ist sie im Stil der Neorenaissance gestaltet, im Innern dominiert Holz- und Steinplastik im Jugenstil. Am 9.März 1902 wurde die neue Kirche geweiht. Nach der Eingemeindung Plauens nach Dresden erhielt sie am 3. März 1903 den Namen Auferstehungskirche. Der damalige Pfarrer Liebe brachte mehrfach die frühere Weihe auf den Erzengel Michael ins Gespräch und schlug deshalb den Namen "Michaeliskirche" vor. Das wurde vom Kirchenvorstand "als zu katholisch" abgelehnt. Wahrscheinlich veranlasste er auch die Ausschmückung der Kirche mit vielen Engelköpfen.
Die grundlegende Umgestaltung der Kirche und ihres Umfeldes wurde 1907 mit einer von Stadtbaurat Hans Erlwein entworfenen neuen Treppenanlage mit einem kastellartigen Eckturm an der Straße Altplauen abgeschlossen. 1912 komplettierte der Bau des Gemeindehauses nach einem Entwurf von Max Wrba das Ensemble.
Die Kirche blieb weitgehend von Kriegseinwirkungen verschont. Lediglich die Glasfenster wurden zerstört (im Altarraum) oder schwer beschädigt (im Kirchenschiff). Nach (teilweise provisorischer) Reparatur war die Kirche wieder nutzbar und ab Juli 1945 einer der ersten Auftrittsorte des Kreuzchores nach dem Krieg. Die für Kriegszwecke abgegebenen Glocken konnten 1946 durch das Geläut der zerstörten Zionskirche ersetzt werden. Bei der Innenrenovierung 1953 entfernte man den gesamte Stuck im Chorraum und mauerte drei der fünf Altarraumfenster zu. 1985 erhielt die Kirche eine neue Orgel der Fa. Eule, Bautzen. Der historische Prospekt blieb erhalten und wurde durch ein Rückpositiv ergänzt. Ab 1990 gab es langwierige Überlegungen zur Neugestaltung des Altarraumes. Die zugemauerten Fenster wurden wieder geöffnet und mit einfarbigem Kathedralglas versehen. Mit Hilfe von Illusionsmalerei wurden an den Wänden Elemente der 1953 entfernten Ausgestaltung wiederbelebt. Dabei kam auch die Frage nach der Neugestaltung der Fenster auf. Die Wahl fiel auf den Künstler Wolfgang Korn aus Dresden, der von 2000 bis 2003 die ursprünglichen Themen Geburt, Taufe, Kreuzigung und Auferstehung Jesu sowie Pfingsten in moderner Form- und Farbsprache gestaltete.
Nach der Turmsanierung und der neuen Dachbedeckung, kann man die Kirche, die sicherlich zu den schönsten in Dresden zählt, wieder in ganzer Schönheit bewundern.
Die Orgel
Die erste Orgel soll Plauen um 1500 aus der 1491 durch einen Brand beschädigten Kreuzkirche in Dresden erhalten haben. 1692 erfolgte eine Orgelreparatur mit Erweiterung.
Tobias Schramm (1701-1771), Stadtorgelbauer und später Hoforgelbauer, errichtete unter Verwendung von Orgelteilen der wegen Baufälligkeit abgebrochen Frauenkirche eine neue Orgel. Sie wurde im Mai 1746 geweiht.
Trotz der wenigen Stimmen war das Werk neben den gottesdienstlichen Aufgaben auch für kleinere solistische Aufgaben geeignet. Im August 1813 wurde Plauen während der Schlacht bei Dresden stark in Mitleidenschaft gezogen und geplündert. Aus der Kirche wurde fast alles Holz herausgerissen und die Orgel zerstört. Am 11. Sonntag nach Trinitatis 1816 wurde eine neue einmanualige Orgel (vermutlich von F. T. Kayser) die Orgel erbaut und geweiht.
1877 stiftete der Hofmühlenbesitzer Traugott Bienert (1813-1894) 8000,- M für eine neue Orgel. Der Vorschlag von K. E. Jehmlich für einen Neubau mit 20 Registern auf 2 Manualen bekam die beste Bewertung und wurde ausgeführt. An der Disposition ist das gewandelte Klangempfinden seit dem 18. Jahrhundert erkennen. Der Orgelneubau war Anlaß, auch das Innere der Kirche neu zu gestalten. Am 1. Advent 1878 wurde die Orgel in Dienst gestellt, aber erst im Februar 1879 endgültig fertig.
1900 beginnen im Zuge der letzten großen Erweiterung der Kirche durch die Architekten Lossow & Viehweger die Verhandlungen wegen einer neuen Orgel mit den Gebr. Jehmlich. Kantor und Kirchschullehrer Ferdinand Witzmann und R. E. Höpner beurteilten die Dispositionsvorschläge. Vorgesehen war die Wiederverwendung aller 20 Register der alten Orgel.
Der Gehäuseentwurf stammt von den genannten Architekten. Die alte Orgel wurde im April abgebrochen, die Kirche erheblich vergrößert, und bereits am 1. April 1902 konnte die neue Orgel von Seminaroberlehrer Karl Richter geprüft werden.
Aus heutiger Sicht stellte diese Orgel ein typisches Beispiel ihrer Zeit dar, wiederum ist ein gewandeltes Klangempfinden erkennbar. Durch die Grundtönigkeit und den Bau von Soloregistern versuchte man den Klang der Orchesterinstrumente und des Orchesters nachzuahmen. Die klare Helligkeit des Klanges der Barockorgeln war nicht mehr gefragt. Dazu kam die Anwendung der zur damaligen Zeit als technischer Fortschritt gepriesenen pneumatischen Traktur. Dabei geschieht die Steuerung der Tonventile und Register durch Druckluft in dünnen Röhren. Die Kraftübertragung von der Taste wird durch die mehrere Meter langen Röhren zeitlich verzögert.
1917 erfolgte die Entnahme der Prospektpfeifen wie überall in Deutschland für Kriegszwecke.
1934 Einbau von drei "Barockregistern", andere Register wurden klanglich umgestaltet (Gebr. Jehmlich).
1946 wurde die Orgel höher gestimmt, um ein Zusammenspiel mit Orchesterinstrumenten zu ermöglichen. Die Kosten dafür trug zu 75 % der Dresdner Kreuzchor, der nach der Zerstörung von Kreuzkirche und Kreuzschule erstmalig am 1. 7. 1945 im Gottesdienst der Auferstehungskirche sang und hier seine Konzerte gab.
Erst 1958 erhielt die Fa. Gebr. Jehmlich den Auftrag für eine technische Erneuerung der Traktur (Neugestaltung des Spieltisches) und eine klangliche Umgestaltung der Disposition. Aus finanziellen Gründen wurde der billigere Umbau dem Neubau einer Schleifladenorgel vorgezogen.
1963 trat Kantor Gerald Stier in den Dienst der Gemeinde und bemühte sich jahrelang um eine Veränderung, da die Orgel solistisch nicht zu benutzen war.
1972 versuchte Orgelbauer Volkmar Pucher aus der Gemeinde, die völlig ungleichmäßig laufende Traktur durch Verlegung der Vorgelege und Erhöhung des Trakturwindes zu einer gleichmäßigen Verzögerung zu bringen. Der Versuch mißlang. Unter großem persönlichem Einsatz setzte Kantor G. Stier (seit 1976 Kirchenmusikdirektor des Kirchenbezirkes Dresden West) eine Orgelspendensammlung für einen Orgelneubau in Gang. 1983 wurde nach vielen Überlegungen, ausgehend von der Größe des Kirchenraumes und den Aufgaben, die diese Orgel zu erfüllen hat, eine Erweiterung der Disposition beschlossen. Das Oberwerk (Schwellwerk) erhielt eine reichere Besetzung, und als weiteres Manualwerk wurde ein Rückpositiv geplant. So konnten 1984 die konstruktiven Vorarbeiten beim VEB Eule-Orgelbau Bautzen beginnen. In verantwortungsbewußter Weise wurde bei der Planung auf die Wiederverwendung noch brauchbaren Materials Wert gelegt.
Das Orgelgehäuse von 1902 als stilistisch integrierter Bestandteil der Kirchenarchitektur wurde beibebehalten. Es wurde aus akustischen Gründen vorgerückt, nach hinten verlängert und der relativ große Orgelraum durch Bau einer neuen Rückwand verkleinert, um dadurch die Klangabstrahlung zu verbessern. Das Gehäuse des Rückpositivs (Entwurf: Architekt Dr. Karlheinz Georgi) enthält Gestaltungselemente des Hauptgehäuses. Der Abbruch der alten Orgel erfolgte Anfang 1985 durch freiwillige Helfer.
Fast ausschließlich der Energie und dem Idealismus von Kantor Stier ist es zu danken, daß viele nicht genannten Probleme gelöst wurden und der Orgelneubau Wirklichkeit wurde.
Dr. Wolfram Hackel - gekürzt